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An der Aufzucht ihrer Welpen, kann man besonders gut erkennen, wie äußerst sozial und intelligent Wölfe sind. In dieser Zeit gilt es, besonders gut zusammenzuhalten und sich die Arbeit zu teilen.

 

Im Winter (ungefähr Februar), paaren sich in der Regel nur der Leitwolf und die Leitwölfin. In dieser Zeit gehen die beiden auffallend liebevoll miteinander um, spielen, zeigen häufig Kontaktliegen, folgen sich förmlich auf Schritt und Tritt und zeigen so und auf andere Weise deutlich ihre enge Bindung. Für die anderen, geschlechtsreifen Rudelmitglieder hingegen, kann nun eine weniger angenehme Zeit folgen, in der allgemein eine erhöht aggressive Stimmung herrscht. Hierbei möchte ich anmerken, dass bei frei lebenden Wölfen ein Rudel normalerweise aus den Leittieren und ihren Jungen besteht, die sich viel leichter den Leittieren unterordnen, also ihren Eltern, als das Gehegewölfe tun, bei denen oft fünf Generationen oder viel nichtverwandte Wölfe zusammen sind. Auch ist Inzucht (Nachwuchs zwischen verwandten Tieren) bei Wölfen in freier Wildbahn nach meinen Informationen noch nicht dokumentiert worden (um das zu prüfen hat man bereits DNA-Tests durchgeführt). Wilde Wölfe bleiben bei ihren Eltern (Leittieren), helfen bei der Aufzucht der nächsten Welpen und wandern in der Regel mit drei Jahren ab, um selbst ein neues Rudel zu gründen und hin und wieder nimmt ein Rudel einen fremden Wolf auf, um für frische Gene zu sorgen. Bei Gehegetieren ist das Abwandern nicht möglich, wodurch ein erhöhter Stress für die Wölfe, vor allem in der Paarungszeit herrscht und es viel öfter zu blutigen Auseinandersetzungen kommt, als in der Wildnis. Denn Wölfe, die ein eigenes Rudel gründen und Nachwuchs haben wollen, wandern ab. Im Gehege haben sie diese Wahl nicht und so bleibt ihnen nur der Kampf. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb Gehegewölfe nicht nur aggressiver sind, sondern die Leittiere auch viel öfter ihre Dominanz beweisen müssen. Das Rudel frei lebender Wölfe ist mit einer menschlichen Familie zu vergleichen, bei denen die Eltern (Leittiere) ihre Kinder (Welpen) großziehen, die dann auch bei ihren jüngeren Geschwistern mithelfen, als Jugendlicher (Jungwolf) öfters in Konflikte mit ihren Eltern (Leittieren) geraten und schließlich wie die großgewordenen Wölfe abwandern, um ihre eigene Familie (Rudel) zu gründen. Wie bei uns Menschen gibt es auch Wölfe, die länger oder sogar immer bei ihren Eltern, also den Leittieren bleiben. Diese Wölfe pflegen meist eine tolerante Beziehung zu den Leittieren und lassen ihnen in der Paarungszeit nicht nur den Vortritt, sondern ordnen sich auch freiwillig unter. Hierbei gilt: desto größer das Rudel, desto niedriger die Toleranzgrenze.

 

Die beiden Leitwölfe pflegen starken Kontakt zueinander und dulden eine enge, gegenseitige Nähe auch während der Ruhephasen. Vor allem der Leitrüde versucht, gefahrenvermeidend zu handeln, um für den größtmöglichen Schutz der Leitwölfin und ihren Jungen zu sorgen.

In dieser Zeit dominiert der Leitwolf die anderen männlichen Rudelmitglieder öfters als sonst, sowie die Leitwölfin die weiblichen Wölfe und signalisieren zusätzlich deutlich ihre starke Zuneigung. Die kritischste Zeit ist während der Stehzeit der Wölfin. Nähert sich ihr nun ein aufstrebender Rüde zu interessiert, droht ihm der Leitwolf und drückt ihn auf den Boden, um ihm nicht nur zu zeigen, wer der Chef ist, sondern auch, wer das Vorrecht hat. Doch meist ist das gar nicht nötig, denn eine Leitwölfin mit einer starken Bindung zu ihrem Leitwolf wird alle anderen Wölfe ohnehin verbeißen. In der äußerst kurzen Stehzeit also, paaren sich nun der Leitwolf und die Leitwölfin. Nur sehr selten kommt es dazu, dass ein weiteres Weibchen gedeckt wird, was vor allem dann geschieht, wenn z.B. die Sterblichkeitsrate der Welpen besonders hoch ist. In diesem Fall ziehen beide Mütter ihre Welpen auf, sind sich gegenüber sehr tolerant und die Leitwölfin wird in ihrer Position dadurch nicht in Frage gestellt (zu diesem Thema findet ihr in dem Buch „Timberwolf Yukon & Co.“ Von Günther und Karin Bloch sehr interessante Erkenntnisse). Oft übernimmt die Leitwölfin in dieser Zeit überwiegend die Führung, um die möglichen Höhlenstandorte im Revier aufzusuchen und sie auf ihre Sicherheit hin zu überprüfen.

  Etwa im April werden dann die Welpen geboren. Sie sind zunächst blind und taub und öffnen erst mit ungefähr zwei Wochen die Augen. Die ersten vier Wochen bleiben die Welpen in der Höhle und haben ausschließlich Kontakt zu ihrer Mutter, die sie säugt. In dieser Zeit kümmert sich der Leitwolf mehr denn sonst um Gefahrenvermeidung. Er und die anderen Rudelmitglieder sorgen für die Mutter, indem sie ihr nach erfolgreicher Jagd Nahrung zur Höhle bringen. Doch wenn die Welpen vier Wochen alt sind und die Höhle das erste Mal verlassen, übernimmt ein Babysitterwolf (mehr dazu unter „

die Rangordnung“) die Pflege der Welpen. Von nun an wird er auf die Welpen aufpassen und sie erziehen und die Leitwölfin nimmt wieder am alltäglichen Geschehen des Rudels, sowie der Jagd teil. Der Babysitter bleibt die ganze Zeit über bei den Welpen, lässt sich nahezu alles gefallen, spielt viel mit ihnen und bringt sie im Falle einer Gefahr in Sicherheit. Als Dank ist die Leitwölfin dem Babysitter gegenüber äußerst freundlich, scheint ihn nahezu zu bevorzugen und bekommt, wie auch die Welpen hervorgewürgte Nahrung. Ein Wolf hat also auch enorme Vorteile, wenn er den oft anstrengenden Job des Babysitters übernimmt.

 

Welpen sind wie menschliche Kinder völlig unbedarft, naiv und verspielt. Sie wissen noch nicht, wie grausam und hart das Leben noch sein kann. In ihrer kleinen Welt dreht sich nun alles nur ums Spielen (mehr dazu unter der Rubrik „Wolfsspiele“), wobei sie natürlich ihre Fähigkeiten trainieren und die wichtige Beißhemmung erlernen. Am Anfang wird ihnen nahezu alles durchgelassen, ihre Erziehung beginnt nur langsam. Allerdings erlernen sie sehr schnell Respekt gegenüber ihren Eltern (den Leittieren) zu haben. Vor allem ihnen gegenüber zeigen sie Beschwichtigungsgesten und Unterwürfigkeit. Dies ist wichtig, denn sie sollen den Leittieren in Zukunft ja bereitwillig folgen und dem Wohl des Rudels dienen.

 

Doch auch wenn sich der Babysitterwolf hauptsächlich um die Jungen kümmert, passt auch die Mutter (wenn sie nicht gerade auf der Jagd ist) sehr wohl auf. Greift der Babysitter in ihren Augen einmal zu hart durch, straft sie ihn z.B. durch Drohfixieren, was meist genügt. Entfernt sich ein Welpe zu weit, trägt ihn die Mutter am Rückenfell zurück; ein Verhalten, das bisher nur bei der Mutter der Welpen selbst beobachtet wurde. Babysitter oder andere Wölfe zeigen ihnen entweder über Körpersprache an, ihnen zu folgen oder „mahnen“ (auf den Boden drücken,…) dir kurz, um ihnen zu zeigen, dass es falsch war, sich so weit zu entfernen.

 
Auch während sie ruht, hat die Leitwölfin ihre Jungen im Blick und wenn ihr etwas nicht gefällt, ist sie sofort zur Stelle. Aber auch ein fixierender Blick reicht schon aus, um zum Beispiel dem Babysitterwolf klar zu machen, dass er etwas zu grob mit den Welpen war.

Wenn die Welpen noch jung sind, herrscht meist eine sehr friedliche und freundliche Stimmung im Rudel, Konflikten wird noch mehr denn je aus dem Weg gegangen. Für alle Rudelmitglieder sind die Welpen besonders wichtig und jeder bemüht sich um deren Schutz und Wohl. Vor allem jetzt versucht der Leitrüde alle Gefahren vom Rudel abzuwenden. Dieses Verhalten ist aber situationsabhängig. Ist er gerade bei der Jagd, wird der Babysitterwolf gefahrenvermeidend handeln. Das trifft übrigens auf alle Verhalten der Wölfe zu.

Während die Welpen noch recht hilflos sind, heulen Wölfe selten, bis gar nicht in der Nähe der Höhle, damit sie den Aufenthaltsort ihrer Jungen nicht preisgeben. Allgemein gilt, dass Wölfe, die in der Nähe zu Menschen (am Stadtrand, Infrastruktur,…) leben, wesentlich vorsichtiger sind und auch weniger heulen, als solche, die noch abgeschieden von Menschen in zum Teil unberührter Natur leben. Auch reißen Wölfe keine Beute in Höhlennähe (wenn sie gerade Welpen haben), denn der Geruch des Blutes würde andere Raubtiere anlocken, die eine Gefahr für die Welpen darstellen könnten. Dies wissen auch die Beutetiere. So wurde schon oft beobachtet, dass z.B. Hirsche friedlich neben den Wölfen bei der Höhle grasen, von den Raubtieren aber kaum beachtet und vor allem nicht angegriffen werden. Nur manche unerfahrenen Jungwölfe können diese einmalige Gelegenheit eventuell nutzen, um ihre erste Beute zu reißen und ihr Jagdtalent zu verbessern. Diese Versuche sind jedoch mit höchster Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt. Die Alttiere jedoch dösen meistens weiter und schenken dem Handeln der Jungwölfe kaum Beachtung. Die Theorie, dass Wölfe sich auf alles stürzen, was ihnen vor die Nase läuft ist absolut falsch. Bis auf Jungtiere, die noch viel lernen müssen, jagen Wölfe vor allem gezielt, taktisch und in Jagdeinheiten.


Mehr als einen Müden Blick sind diesem Wolf die Rehe nicht wert, die in der Nähe der Höhle äsen. Würde er sie reißen, würde das Raubtiere anlocken, die seinen Jungen gefährlich werden könnten.

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